Dr. Dittus vom Bundesverband der Organtransplantierten zu Gast im Ethikunterricht
Zur Organspende haben die meisten Menschen eine Haltung irgendwo zwischen „eigentlich ja“ und „darüber denke ich nach, wenn es so weit ist“ - aber wenn es so weit ist, denkt man nicht mehr nach; dann entscheiden andere, meist die engsten Angehörigen. Genau an diesem Punkt setzte der Besuch von Herrn Dr. Dittus vom Bundesverband der Organtransplantierten an, der am 2. Juli an unserer Schule zu Gast war - zunächst in der Ethikgruppe der 10., anschließend in der 11. Jahrgangsstufe.
Dr. Dittus sprach dabei als Betroffener: Seine sehr persönliche Transplantationsgeschichte machte greifbar, was sonst hinter Vokabeln wie „Warteliste“, „Spenderorgan“ und „Empfänger“ verschwindet.
Eine Werbeveranstaltung war der Vortrag deshalb gerade nicht: Wer sich aus persönlichen, religiösen oder anderen Gründen gegen eine Organspende entscheidet, kann und soll auch dieses Nein auf dem Organspendeausweis festhalten. Worauf es ankommt, so machte Dr. Dittus eindrücklich deutlich, ist die Auseinandersetzung selbst: sich informieren, einen eigenen Standpunkt entwickeln, ihn dokumentieren – nicht zuletzt, um die eigenen Angehörigen im Ernstfall nicht mit dieser Frage allein zu lassen.
Dass diese Botschaft ankam, ließ sich anschließend gut beobachten: An den ausgelegten Organspendeausweisen und Informationsbroschüren bedienten sich die Schülerinnen und Schüler reichlich. Was darauf einmal angekreuzt wird, bleibt Privatsache – genau darum ging es ja.
In beiden Gruppen schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Besonders beschäftigte uns die Frage, warum Empfängerinnen und Empfänger nicht erfahren, von wem das Organ stammt, das sie erhalten haben. Im Gespräch wurde deutlich, dass die Anonymität des Verfahrens beide Seiten schützt: Angehörige sollen trauern können, ohne jemandem Rechenschaft zu schulden; wer ein Organ empfängt, soll damit leben dürfen, ohne eine Dankesschuld abzutragen, die niemand von ihm verlangen kann.
Organspende und Transplantation gehören für die 10. und 11. Jahrgangsstufe zum Pflichtprogramm: Sie sind im LehrplanPLUS sowohl in Biologie als auch in Ethik fest verankert.
Wir danken Herrn Dr. Dittus herzlich für seine Offenheit und seine Zeit.