Die Rizzibräu zählte vor rund hundert Jahren zu den bedeutendsten und größten Braustätten Kulmbachs. Ihre Anfänge reichen bis 1848 zurück, als in der Sutte das erste Brauhaus errichtet wurde. Unter der Leitung von Carl Rizzi entwickelte sich das Unternehmen rasch weiter und erreichte um 1900 einen Ausstoß von etwa 90.000 Hektolitern, genug, um sich als viertgrößter Betrieb der Stadt zu etablieren.
Das ursprüngliche Gebäude in der Sutte gelangte 1920 in den Besitz der Färberei Schüler und wurde später vollständig abgebrochen, heute befindet sich dort ein Teil der Stadthalle. Bereits 1897 war an der Kronacher Straße ein neuer, weitläufiger Brauereikomplex entstanden. Dieser setzte sich aus mehreren spezialisierten Bauwerken zusammen, links befand sich die Picherei zur Fassherstellung, in der Mitte das repräsentative Verwaltungsgebäude, die im Stil der italienischen Renaissance errichtete Rizzi Villa, und rechts die imposanten Anlagen für Produktion und Versand, die eine moderne Arbeitsweise ermöglichten.
Wie viele mittelständische Betriebe geriet auch die Rizzibräu um 1930 aufgrund der wirtschaftlichen Krise stark unter Druck. Die schwache Konjunktur, zunehmende Erwerbslosigkeit und steigende Reichs und Gemeindebiersteuern führten schließlich dazu, dass sich das Unternehmen im Jahr 1930 der Reichelbräu anschloss. Kurz danach wurde die eigene Herstellung eingestellt.
Von den Gebäuden an der Kronacher Straße blieb lediglich die Rizzi Villa erhalten, die übrigen Anlagen verschwanden im Laufe der folgenden Jahrzehnte. Auf dem ehemaligen Brauereigelände befinden sich heute unter anderem das Autohaus Dippold sowie die Filiale des Kauflandes in Kulmbach. Die Villa jedoch steht weiterhin als sichtbares Zeichen einer vergangenen Blütezeit der Kulmbacher Biertradition, ein architektonisches Erbe, das den wirtschaftlichen Einfluss und die kulturelle Bedeutung der Rizzibräu bis heute widerspiegelt.