Der Duft von frisch gezapftem Bier und brutzelnder Bratwurst liegt in der Luft – ein Bild, das viele Kulmbacher sofort an die Bierwoche denken lässt. Jahr für Jahr verwandelt sich der heutige „EKU-Platz“, in ein lebendiges Festgelände voller Musik, Tradition und Begegnungen. Doch kaum jemand denkt daran, dass genau hier einst eine der bedeutendsten Brauereien Kulmbachs stand – die EKU Brauerei. Wo heute Biertische stehen, Menschen feiern und Autos parken, war früher ein Ort industrieller Innovation und Kulmbacher Braugeschichte.
Bevor es überhaupt ein Festgelände gab, war dieser Platz ein leerstehendes Areal, das sich nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Stadt wandelte. Zu einer Zeit, als die Kulmbacher Biertradition gerade begann, erwarb Michael Täffner gemeinsam mit acht Mitstreitern zunächst das Kommunbrauhaus. Der steigende Bierbedarf führte dazu, dass nur drei Jahre später die Erste Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei gegründet wurde – am 2. November 1872, später bekannt als EKU-Brauerei. Schon früh setzte das Unternehmen Maßstäbe: Es war die erste Kulmbacher Brauerei, die ihr Bier erfolgreich ins Ausland exportierte – sogar bis nach Peking.
Unter der 28-jährigen Führung ihres ersten Direktors entwickelte sich die Brauerei rasant. Dank moderner Technik konnte sie bereits im ersten Produktionsjahr 25 Prozent mehr Bier herstellen als zuvor erwartet. Das Gelände wurde stetig erweitert, und 1886 entstand das imposante Brauereihauptgebäude – damals das größte seiner Art in Kulmbach. Die Nähe zum Güterbahnhof brachte weitere Vorteile: Der Export wurde einfacher, und der Absatz verzehnfachte sich innerhalb weniger Jahre. Auch die Kronacher Straße wurde in die Entwicklung einbezogen: 1895 verlegte man Pichlerei und Büttnerei dorthin, um die Produktion zu optimieren. Sogar Kaiser Friedrich und Prinz Ludwig besuchten die Brauerei persönlich und probierten das berühmte Kulmbacher Bier – sehr zur Begeisterung der Gastgeber.
Doch wie alles in der Geschichte erlebte auch die Brauerei Höhen und Tiefen. Die wirtschaftliche Lage um 1900/1901 führte zu sinkenden Absätzen. Jahrzehnte später erfolgte der Umbau der Stadtstruktur: 1970 wurde der Schlot der Brauerei gesprengt und neun Jahre später, am 20. August 1979 begann bereits der Bau der Tiefgarage, die bis heute unter dem EKU-Platz liegt und das ehemalige Brauereigelände endgültig in einen modernen Stadtplatz verwandelte. Zur Feier des Umbaus grub der Bürgermeister das erste Loch. Heute ist das einzige Gebäude, welches von der Brauerei noch steht, der „Besenstiel“, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Brauerei.
Heute dient dieser Platz nicht nur als zentraler Parkplatz, sondern auch als Herzstück zahlreicher Veranstaltungen – allen voran der Kulmbacher Bierwoche, die seit 74 Jahren besteht. Ihre Wurzeln reichen bis zum 29. Juli bis 6. August 1939 zurück, als die „Erste Kulmbacher Woche“ stattfand. Damals wie heute war das Ziel, die Stadt Kulmbach, ihr Bier und ihre berühmte Wurst einem breiten Publikum zu präsentieren. Eine Maß kostete damals übrigens gerade einmal 80 Pfennige. Seit 1974 steht das Bierfestzelt jährlich nun auf dem EKU-Platz.
Mit einem neuen Gestaltungskonzept wird der EKU-Platz nun weiterentwickelt. Ein Architektenwettbewerb – an dem Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Spanien teilnahmen – brachte zahlreiche kreative Ideen hervor. Die Kulmbacher Architekten H2M setzten sich schließlich durch und gewannen den ersten Preis in Höhe von 31.200 Euro. Ihre Aufgabe: die Tiefgarage neu denken, den Stadtplatz attraktiver und lebendiger gestalten, ihn besser ins Stadtbild einbinden und gleichzeitig das Bierfest harmonisch integrieren.