Die Petzbräu war um die Jahrhundertwende eine der sechs großen Brauereien in Kulmbach und nahm umsatzmäßig den dritten Platz ein - hinter EKU und Reichelbräu. In etwa sechzig Jahren entwickelte sich die Brauerei von einer kleinen, handwerklichen Brauerei zu einer bedeutenden Aktiengesellschaft, die ihr Bier international exportierte.
1885 übergab Carl Petz die Brauerei an seine Tochter Adelhaid Müller und ihren Ehemann Wilhelm Müller. 1886 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und hieß nun “Kulmbacher Export-Bierbrauerei vormals Carl Petz Actiengesellschaft". Wilhelm Müller leitete den Betrieb und baute den Export entscheidend aus.
1899 erreichte die Brauerei mit rund 120.000 Hektolitern ihren höchsten Absatz. Seit 1896 hieß die Brauerei einfach “Petzbräu Actiengesellschaft". Das Markenzeichen war der Bär, eine Anspielung auf den Namen “Petz", ergänzt durch Darstellungen des Bierkönigs Gambrinus.
Die Petzbräu war besonders bekannt für ihr dunkles Exportbier. Es gab auch ein helles Bier, das unter dem Namen “Gnomenbräu” exportiert wurde. Die Qualität und Haltbarkeit der Biere wurde durch Gutachten deutscher Konsulate in Lima und Tientsin bestätigt. In Kulmbach wurde das Bier unter anderem im Saalbau Wittelsbach in der Buchbindergasse ausgeschenkt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet die Petzbräu in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ab 1910 sank die Produktion auf etwa 70.000 Hektoliter, und der Erste Weltkrieg sowie die Nachkriegsjahre schwächten das Unternehmen weiter. 1923 musste der Brauereibetrieb eingestellt und das Unternehmen je zur Hälfte an die Kulmbacher Reichel- und Rizzibräu verkauft werden.
Ein Teil der Gebäude blieb erhalten: Kellerei, Mälzerei, Maschinenhaus und Nebengebäude. Die Architektur ist schlicht und funktional, typisch für die frühe Bauzeit. Nach der Stilllegung richtete die Familie Müller 1924 eine Malzfabrik ein, die bis 1994 bestand. Teile des Komplexes wurden später zu Wohnzwecken umgebaut, andere blieben weitgehend im Originalzustand - damit ist die Petzbräu der einzige nahezu vollständig erhaltene Brauereistandort aus der Gründerzeit in Kulmbach.
An Carl Petz erinnert noch die Petz-Gaststätte in der Langgasse 3, eine Wirtschaft mit einem steinernen Bären. Anfangs wurde dort überwiegend Wein ausgeschenkt, erst im 20. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Bierlokal.
Die Geschichte der Petzbräu zeigt, wie die industrielle Entwicklung der Kulmbacher Brauereien verlief. Aus handwerklicher Tradition entstanden im 19. Jahrhundert exportorientierte Betriebe, beschleunigt durch den Bahnanschluss 1846. Gleichzeitig setzte ein früher Konkurrenzkampf ein, dem viele kleinere Brauereien nicht standhielten. Die Petzbräu durchlief in kurzer Zeit alle Phasen: handwerkliche Produktion, Aktiengesellschaft, internationaler Export - und endete 1923. Heute erinnern die erhaltenen Gebäude an dieses Kapitel der Kulmbacher Wirtschaftsgeschichte.