Abschlussbericht P-Seminar „Wildkatze“

2020 12 01 rel P Seminar Wildkatze teaser

In unserem Ethik-P-Seminar, das von Herrn Bock angeboten wurde, führten wir in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz, insbesondere mit Sabine Mücke vom Kreisverband Kulmbach, ein Wildkatzenprojekt durch.


Das Seminar, dessen Leitthema Umweltethik war, ergriff die Chance, an einem aktuellen Naturschutzprojekt teilnehmen zu können. Im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ soll herausgefunden werden, in welchen Regionen und Wäldern die Wildkatze heimisch ist beziehungsweise welche Gebiete sie regelmäßig durchwandert.

Diese Lebensräume, so das erklärte Hauptziel des Projekts, sollen langfristig durch grüne Korridore verbunden werden, sodass ein zusammenhängender Lebensraum entsteht.

Dabei dient die Wildkatze, ähnlich wie der Luchs in den 80-iger Jahren des 20. Jahrhunderts, als Leittier: Deutschland- oder sogar europaweite, miteinander verbundene und ökologisch intakte Lebensräume sind nicht nur für die Wildkatze gut. Viele andere Tier- und Pflanzenarten nutzen das für Wildkatzen geeignete Ökosystem: Mischwälder mit lichten Stellen, wenig Störung durch Straßen und Wanderwege, Totholzbereiche und naturbelassene Gebiete sind auch für viele Insekten, Säugetiere, Vögel, Amphibien und Reptilien und nicht zuletzt für eine Vielzahl von Pflanzen interessant. Schützt man also die Wildkatze, so setzt man sich direkt und indirekt für die Artenvielfalt und den Schutz von Biodiversität ein!

Konkretes Ziel dieses Projekts war es, die Wege der Wildkatzen herauszufinden, um diese für die Tiere sicherer zu gestalten. Dafür mussten wir herausfinden, ob sich momentan Wildkatzen in Kulmbacher Wäldern aufhalten. Wir teilten uns deshalb in zwei Gruppen auf, die jeweils in verschiedene Wälder gingen. Eine der Gruppen untersuchte den Kessel und die andere Gruppe ein Waldgebiet bei Leithen.
Im Januar setzten wir je drei Lockstöcke (rechteckige Holzpfähle) in die Wälder, die wir bis März wöchentlich in kleinen Grüppchen besuchten. Dabei untersuchten wir die platzierten Lockstöcke auf Spuren von Wildkatzen, wie z.B. Haare oder Kratzspuren.

Hierfür mussten wir mit einer Lupe den Stock auf Haare prüfen. Falls welche gefunden wurden, nahmen wir diese mit einer Pinzette vom Stock ab und bewahrten sie in kleinen Plastikbeuteln auf. Dabei trugen wir Einmalhandschuhe, um die Probe nicht mit menschlicher DNA zu verunreinigen. Später wurden die Proben in ein Labor geschickt, welches überprüft, ob die Haare wirklich von einer Wildkatze stammen.
Danach entfernten wir jegliche tierischen oder menschlichen Spuren vom Stock, indem wir diesen mit einem Gasbrenner abflammten. Des Weiteren rauten wir den Stock mit einer Stahlbürste auf, damit Haare umherschleichender Wildkatzen besser am Holz hängen blieben.

m Schluss wurde der Stock mit Baldrianlösung besprüht, der die Wildkatzen in der Paarungszeit anlockt.

Durch die Unterstützung von Karsten Anders wurde es uns ermöglicht eine Radiodokumentation über unsere Aktion aufzunehmen. Der Radiobeitrag wurde auf Radio Galaxy gesendet und ist dauerhaft bei www.machdeinradio.de mit dem Stichwort CVG zu finden. Außerdem gibt es einen Instagram-Account über unser Seminar: @pseminarwildkatze.

Quasi als Nebenprojekt pflanzten wir im November 2019 Bäume, die wir von der Aktion „1000 Bäume für Kulmbach“ geholt haben. Diese wurden zunächst auf dem Gelände der Röhlvilla überwintert und im Oktober 2020 im Kessel endgültig ausgepflanzt.

Theoretisch beschäftigten wir uns vor allem mit der Umweltethik nach „Hans Jonas“. Er erkannte, dass die klassischen ethischen Maßstäbe für die Dimension von Umweltschutz nicht ausreichen, da die Folgen von Handlungen im Heute über viele Generationen wirken. Er propagierte eine Fernethik, die sogenannte „Heuristik der Furcht“.

Darin fordert er unter anderem, dass man zu Beginn der Umsetzung einer technologischen Innovation immer die Frage stellen müsse, welches der größtmögliche Schaden ist, den diese Technik verursachen könnte und dass man nichts gutheißen darf, was die Existenz und den Fortbestand der Menschen auf der Erde gefährden könne!

Leider stehen zum Abschluss des Seminars die Laborergebnisse noch aus und wir wissen noch nicht, ob die gefundenen Haare wirklich von Wildkatzen stammen. Bedingt durch die Corona-Krise werden Analysen dieser Art im Moment nicht untersucht. Bereits vor vier Jahren nahm ein damaliges P-Seminar an der ersten Projektrunde des Wildkatzensprungs teil. Damals konnten erfolgreich Wildkatzenhaare nachgewiesen werden – eine erfreuliche Basis.

Im Allgemeinen fanden wir das Seminar interessant, da wir etwas zum Naturschutz beitragen konnten. Darüber hinaus konnten wir Erfahrungen im Filmdreh, sowie mit Interviews für einen Radiobeitrag sammeln. Falls das Projekt nochmal als Seminar angeboten wird, würden wir jedem empfehlen, es zu wählen.

Emma Küfner, Maja Weber, Salome Schneider (unterstützt durch P-Seminarleiter Andreas Bock)

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