„Kleiderschrank der Welt“: Exkursion 9M

2020 02 19 g exkursion weber helmbrechts teaser

Wir, die Klassen 9Ma und 9Mb des Caspar-Vischer-Gymnasiums, sind mit unseren Lehrern Frau Fessl und Herrn Stumpf am 19.02.2020 nach Helmbrechts zu einem echten Weberhaus und anschließend ins Textilmuseum gefahren.

Dort konnten wir etwas über Leben und Wirken der Weber aus Helmbrechts im 18 Jahrhundert erfahren. Das ärmliche Dasein der Weberfamilien wird durch den Spruch „Zum Leben zu wenig – zum Sterben zu viel" gut erfasst…

Aber wir erzählen von Anfang an: Als erstes haben wir uns das alte Weberhaus der Familie Greim angesehen, welches schon im 18. Jahrhundert gebaut worden ist und wo es noch genauso aussieht wie damals, als eine richtige Weberfamilie darin lebte.

Das Dach dieses Hauses besteht komplett aus Stroh. Das Weberhaus ist ein sogenanntes Trüpfhaus. Dieser Begriff leitet sich von der Tatsache ab, dass die Tropfkante des Strohdaches die Grundstücksgrenze festlegte. Die Besitzer dieser Häuser hatten keinen Garten um ihr Haus, aber oftmals einen außerhalb der Stadt: ein Stück Land für Gemüseanbau usw., ähnlich einem Schrebergarten. Typische Weberfamilien bestanden aus acht bis zehn Personen.

Im Haus war die beengte Küche gleichzeitig noch Esszimmer, Wäschezimmer, Badezimmer aber vor allem war auch Arbeitszimmer! Hier steht noch heute der Webstuhl. Für diesen musste in manchen Weberhäusern sogar ein Loch in die Decke hineingehauen werden damit er überhaupt hinein passt, aber die Arbeit und somit die Ernährung der Familie war das Wichtigste. In diesem einen Raum, in dem sich alle tummelten, verdiente man das Geld für ein Leben am Existenzminimum.

Die Museumsführerin hat uns in diesem Zusammenhang eine sehr interessante Geschichte über ein Mädchen erzählt, das im Weberhaus gewohnt hat. Das Mädchen hatte den Auftrag bekommen, das Braten der Brotstückchen für die Füllung der Klöße auf dem Herd zu beaufsichtigen. Sie las dabei ein Buch…. Irgendwann roch sie, dass das Essen verbrannt war. Es war eine riesige Rauchwolke aufgestiegen und die feinen Rußpartikel hatten sich auf den gewebten Sachen abgesetzt. Die Familie musste die ganze Arbeit wegwerfen und hatte für fast einen Monat kein Geld. Seitdem hat das Mädchen nie wieder ein Buch beim Kochen gelesen.

Das Schlafzimmer des Hauses ist auf dem Dachboden und nicht jeder hatte ein Bett. Die Kinder mussten sich in der Regel ein Bett teilen. Vorteilhaft war dies in den oftmals kalten Nächten, da sie sich so gegenseitig wärmen konnten.

Geheizt wurde damals nur ein Raum und das war die Küche. Die Kinder mussten mit arbeiten. In der Küche war eine Klappe im Boden, in der Lebensmittel verstaut wurden. Am häufigsten wurden Kartoffeln gelagert. Die meisten Familien hatten auch einen Stall, in dem Hühner, Schweine und Ziegen gehalten wurden. Es gab besondere Küchengeräte, die meistens aus einer Fichte hergestellt wurden.

Im Anschluss an den Besuch im Weberhaus sind wir ins Textilmuseum gefahren. Nach einer Führung durften wir selbstständig in eingeteilten Gruppen verschiedene Aufgaben und Fragen bearbeiten. Diese haben wir anschließend im Geschichtsunterricht bei Frau Fessl kontrolliert und besprochen.

Was viele von uns nicht gewusst haben? Zum Beispiel, dass Helmbrechts einst als „Kleiderschrank der Welt“ bezeichnet worden ist, weil die gewebten Stoffe von dort aus in über 140 Länder in aller Welt exportiert wurden, sogar bis nach Afrika und Asien. Da denkt der Urlauber beispielsweise, er hat ein tolles einheimisches Souvenir aus Afrika mitgebracht, dabei stammt der Stoff ursprünglich aus Helmbrechts!

Eine weitere interessante Information über das Textilmuseum Helmbrechts ist, das sich dort der längste selbstgewebte Schal der Welt befindet. Dieser Schal ist 4000 Meter lang, und ein paar von uns durften sogar an diesem Schal weiter weben!

Als letztes durften wir selbst versuchen zu weben. Das hat vielen besonders gefallen.

Überhaupt hat der Ausflug uns allen sehr viel Spaß gemacht und wir haben uns sehr amüsiert.

Leticia Lasheras Vonbrunn und Jani Rupp

 

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