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Warum Wahlfach "Altgriechisch"? Ein Abiturient erklärt...

2021 05 09 warum altgriechisch

Altgriechisch? Das braucht doch kein Mensch mehr. Das ist ja schließlich noch älter als Latein! Diese Denkweise haben wohl die meisten Menschen über dieses Fach, da sie Altgriechisch für eine völlig „tote“ Sprache halten.

Natürlich muss man sich im Klaren darüber sein, dass man sich ebenso wie in Latein nicht aktiv mit der Sprache verständigen kann. Dennoch bringt das Altgriechische eine große Vielfalt und ein breites Spektrum an Themen mit sich. Dies lässt sich wohl durch meinen Erfahrungsbericht am besten verdeutlichen:

Zu Beginn muss natürlich erst einmal das Alphabet gelernt werden. Das ist freilich nicht ganz einfach, aber mit etwas Übung sollte man es nach wenigen Wochen beherrschen. Die (alt)griechische Schrift ist übrigens auch für den Mathematikunterricht interessant, da Winkel und gewisse Vektoren in der Geometrie mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden. Auch das moderne Griechisch hat das altgriechische Alphabet eins zu eins übernommen, weswegen die erworbenen Kenntnisse durchaus auch im nächsten Griechenlandurlaub genutzt werden können. Genauso wie Lateinkenntnisse dabei helfen, italienische Wörter und Sätze zu verstehen, können auch neugriechische Wörter und Sätze mithilfe des Altgriechischen hergeleitet werden. Vor der Hürde einer neuen Schrift sollte man also keineswegs Angst haben, sondern vielmehr die genannten Vorteile im Auge behalten.
Nachdem die ersten Wörter und Deklinationen gelernt sind, taucht man ein in die griechische Mythologie und beschäftigt sich mit einer der ersten europäischen Hochkulturen auf Kreta. Im Zuge dessen werden die Mythen um Zeus und Europa, den Minotaurus sowie Dädalus und Ikarus behandelt und übersetzt. Der nächste große Themenabschnitt beschäftigt sich mit der Polis Sparta. Sparta war im Gegensatz zu Athen sehr militärisch geprägt und das spartanische Heer galt über mehrere Jahrhunderte hinweg als unbesiegbar. Im Anschluss daran stehen die olympischen Spiele und deren Ablauf im Mittelpunkt. Am Ende des ersten Buches (Kairos 1) werden dann noch Texte über die prächtige Handelsstadt Korinth und das Orakel von Delphi übersetzt. Man lernt also nicht nur Vokabeln und Grammatik, sondern erwirbt im Laufe der Kapitel auch ein breites Verständnis über die griechische Welt. Doch auch die Vokabeln sind in Form von Lehnwörtern und Fachbegriffen noch heute aktuell:

Gerade in der Biologie, der Chemie und der Medizin lassen sich sehr viele Ausdrücke auf das Griechische zurückführen: Hydrophil (Wasser liebend), Hydrophob (Wasser fürchtend), Fotosynthese (Licht, zusammensetzen), Symbiose, Prophylaxe, Chirurg, Gynäkologe. Doch nicht nur in den Naturwissenschaften lassen sich altgriechische Wörter finden, sondern auch in unserer „alltäglichen“ Sprache: Rhetorik, Idol, Gymnasium, Akustik, Horizont, Theologie, Apotheke, Krater, Optik, Teufel, Zoo, Phänomen, Meteorit, Philosoph….

Zu Beginn des zweiten Buches (Kairos 2) beschäftigt man sich mit dem wohl größten Feldherrn der Antike, Alexander dem Großen. Da der makedonische König bei seinen Feldzügen auch durch Kleinasien zog, werden im Zuge dessen außerdem der Trojanische Krieg und die kleinasiatischen Philosophen wie Heraklit behandelt. Doch auch der großgriechischen Kolonisation in Süditalien (Magna Graecia) wird ein eigenes Kapitel gewidmet, bevor die Ägäischen Inseln mit der Dichterin Sappho im Mittelpunkt stehen. Im letzten Abschnitt des zweiten Buches wird das Hochzentrum der griechischen Kultur, Philosophie und Wirtschaft, nämlich Athen, beleuchtet. Nicht nur Anekdoten und Lebensberichte schillernder Persönlichkeiten wie die des Perikles und die des Sokrates werden übersetzt, sondern auch die vielleicht größte Errungenschaft des antiken Athens wird untersucht: die Demokratie und deren Entwicklung unter Drakon, Solon, Kleisthenes und Perikles.

Im Anschluss daran sind alle wichtigen grammatikalischen Regeln und auch der Grundwortschatz gelernt und die Übersetzung originaler Texte kann beginnen. Hierbei bietet sich zunächst das Leben des Sokrates an, das vor allem von Platon und Xenophon überliefert wird. In diesen Texten kann man dann das Gelernte anwenden, wobei auch hier nicht nur die grammatikalischen Phänomene, sondern in erster Linie der Inhalt und der Lebensbericht über Sokrates im Vordergrund steht. Auch wird durch die Texte ersichtlich, wieso das philosophische Wirken des Sokrates als anthropologische Wende bezeichnet wird. Der Einblick in die griechische Philosophie lohnt sich außerdem für alle Lateinschüler, da auch dort die Philosophie eine wichtige Thematik darstellt.

Auch theologisch Interessierte sollten im Laufe des Wahlfaches auf ihre Kosten kommen, da neben dem Hebräischen vor allem das Altgriechische Originalsprache der Bibel ist. Auszüge aus dem neuen Testament lassen sich auszugsweise in den Lehrwerken finden und ermöglichen ein tieferes Verständnis der biblischen Verse.

Neben den Texten Platons sind aber auch die Odyssee und Herodots Historien Teil des Lesebuches. In den Historien werden vor allem die Perserkriege behandelt. Diese sind unter anderem aufgrund der Schlacht von Marathon und der Schlacht in den Thermopylen („Die letzten 300“) als erste Auseinandersetzung zweier Systeme (Perser/Monarchie, Athen/Demokratie) bekannt.

Dass das Altgriechische eine unglaubliche Vielfalt mit sich bringt, ist also keinesfalls ein leeres Versprechen. Das Arbeiten in kleineren Gruppen ermöglicht dabei einen schnellen Fortschritt und erlaubt eine Ausrichtung und Vertiefung je nach Interesse. Das Reinschauen und die Beschäftigung lohnen sich also allemal!

Marek Trukenbrod, Q12

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